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Wintereinbruch 2021 – Alpine Verhältnisse im Querfurter Land

Die Meteorologen waren sich in der ersten Februarwoche einig: „Es kann keine genaue Prognose für das zweite Februarwochenende abgegeben werden. Wir wissen nicht, was passieren wird!  Wir könnten Glück haben. Es kann aber auch Verhältnisse wie im Winter 1978/79 geben.“


Unter solchen Voraussetzungen ist natürlich eine belastbare, verhältnismäßige Planung schwierig. Dennoch wurden bereits vorab Vorbereitungen getroffen. Die gesamte Winterdiensttechnik und das Personal des Bauhofes wurden in Einsatzbereitschaft versetzt. Nicht unerwähnt soll an dieser Stelle bleiben, dass der Eigenbetrieb für Arbeit sämtliche Maßnahmen pandemiebedingt ausgesetzt hat und somit weniger Personal zur Verfügung stand. Noch am Freitag (05.02.) habe ich mit örtlichen Unternehmen gesprochen und sie im Falle eines extremen Wetterereignisses um Unterstützung gebeten. Manche hatten auch von sich aus Hilfe angeboten. Die Einsatzleitung der Querfurter Feuerwehr traf sich noch Samstag (06.02), um abschließend die Taktik für die, vor allem technische, Hilfeleistung festzulegen.


Und dann kam der Schnee,
deutlich mehr als zuletzt im Jahr 2010! Verschärft wurde die Situation durch anhaltendenden Wind, insbesondere am Sonntag (07.02). Dort, wo bereits geschoben war, wurde binnen kürzester Zeit alles wieder zugeweht. Bis Montagnachmittag hielt der Schneefall mit kleinen Unterbrechungen an. Supermärkte konnten nicht öffnen, viele Menschen konnten nicht auf Arbeit oder sind gleich vernünftigerweise zu Hause geblieben. Die, die auf Arbeit mussten, wie etwa Pflegedienst- oder Krankenhausmitarbeiter, kämpften sich durch die Schneemassen.

 

Querfurt hat die größten Schneemengen im gesamten Saalekreis abbekommen.
Verhältnisse wie in Österreich auf dem Querfurter Marktplatz.

Verhältnisse wie in Österreich auf dem Querfurter Marktplatz.

 

Unsere heutige Zeit hat bei vielen Menschen eine völlig überzogene Erwartungshaltung gerade in solchen Ausnahmesituationen manifestiert. Alles muss immer sofort und unverzüglich laufen. Heute bestellen, morgen da und immer muss alles verfügbar sein. Das hätte man doch wissen können! Wieso dort und nicht bei mir! Das dauert mir alles zu lange! Krisenmanagement der Stadt Querfurt – mangelhaft! Entgegen anderslautender Gerüchte, die z.T. auch über die sozialen Medien kommuniziert wurden, hat die Stadtverwaltung keine Hilfsangebote abgewiesen oder Privatpersonen eine Prämie für den Winterdienst gezahlt.


Was dabei ignoriert wird, ist was bereits hinter den Kulissen läuft. Wo Zuständigkeiten enden und anfangen. Dass anderswo vielleicht gerade etwas gemacht wird, aber eben im Moment nicht vor der eigenen Haustür. Vor allem aber, dass es schlichtweg nicht möglich ist, gleich am Montagmorgen 06.00 Uhr bei rund 85 km Gemeindestraßen auch jede Nebenstraße vom Schnee befreit zu haben, so dass jeder problemlos mit dem Auto im Begegnungsverkehr fahren kann. Ein Anspruch, der auch nicht binnen einer Woche zu bewerkstelligen war.


Priorität hatten zuerst die Hauptstraßen und dann die Nebenstraßen, damit zunächst der Rettungsdienst oder die Feuerwehr zumindest in die Nähe des Einsatzortes kommen konnten. Dem schloss sich die Beräumung der Bushaltestellen an, da am Mittwoch (10.02.), der Busverkehr und am Montag darauf der Schülerverkehr wieder aufgenommen werden sollten.


Querfurt hat eine Kernstadt und 15 Ortsteile. Ein Gemeindegebiet, das größer ist als das der Stadt Halle. Wir waren die ersten, die damit angefangen haben, den Schnee aus der Stadt zu fahren. Schon am Dienstagmorgen (09.02.) wurde mit der Beräumung der Altstadt, Querfurt-Süd und der Ortsteile begonnen.


Dort ging es mit der B250 in Liederstädt los, weil dort die Landesstraßenbaubehörde, die eigentlich für die Beräumung dieser Straße zuständig ist, kapituliert hatte und innerhalb der Ortslage den Winterdienst einstellen musste. Es folgten Schritt für Schritt die weiteren Ortsteile. Vor allem dort waren unsere Bauern eine große Unterstützung. Sie haben sofort z.T. schon bevor feststand, dass uns die Wetterlage so hart erwischt, auf meine Anfrage hin ihre Hilfe zugesagt.
 

So wie hier auf dem Lederberg wurden mit Unterstützung von örtlichen Unternehmen die Straßen der Kernstadt vom Schnee beräumt.
So wie hier auf dem Lederberg wurden mit Unterstützung von örtlichen Unternehmen die Straßen der Kernstadt vom Schnee beräumt.

 

 

Vor allem auf den Ortsteilen wie hier in Liederstädt unterstützten unsere Bauern unkompliziert bei der Beräumung des Schnees.
Vor allem auf den Ortsteilen wie hier in Liederstädt unterstützten unsere Bauern unkompliziert bei der Beräumung des Schnees.

 

 

Im Ortsteil Lodersleben kam schwere Technik, wie hier in der Straße des Friedens, zum Einsatz, um die Voraussetzungen für den Busverkehr zu schaffen.
Im Ortsteil Lodersleben kam schwere Technik, wie hier in der Straße des Friedens, zum Einsatz, um die Voraussetzungen für den Busverkehr zu schaffen.

 

Um auf eine eventuell plötzlich einsetzende Schneeschmelze vorbereitet zu sein, wurden im Hochwasserschutzlager der Stadt Sandsäcke befüllt, um für den Erstangriff im Einsatzfall gerüstet zu sein. Außerdem habe ich mich an die Grundstückeigentümer gewandt mit der Bitte, dass wenn es möglich ist, die Straßeneinläufe vor ihren Grundstücken vom Schnee zu befreien. Dank an alle, die mitgeholfen haben, Abwasserbetrieb und Bauhof dabei zu unterstützen!


Auch unsere Feuerwehren hatten einiges zu tun. Los ging es mit einem eingestürzten Dach, aufgrund der Schneemassen in Gatterstädt. Dann kam es zu einem Kabelbrand in einem Wohnhaus der Altstadt. Dort konnten die Kameradinnen und Kameraden das Schlimmste verhindert. Es bestand die Gefahr, dass wenn das Gebäude Feuer gefangen hätte dieses auch aufgrund der dichten Bebauung, schnell auf Nachbargebäude hätte übergreifen können. Weiter ging es mit technischer Hilfeleistung auf der Autobahn, wo sich mehrere LKWs festgefahren hatten und mit der Beräumung mehrerer Dächer, wo die Gefahr bestand, dass sie unter der Schneelast zusammenbrechen.  Auch potentielle Schneelawinen und Eiszapfen, die eine Gefahr darstellten, wurden von Dächern beseitigt.

 

Wie hier in der Kleinen Ringstraße unterstützten unsere Freiwilligen Feuerwehren bei der Beseitigung von Schneelawinen und Eiszapfen von den Dächern.

Wie hier in der Kleinen Ringstraße unterstützten unsere Freiwilligen Feuerwehren bei der Beseitigung von Schneelawinen und Eiszapfen von den Dächern.


 

Auch das Dach der Philipp Müller Schule musste vom Schnee befreit werden, damit der Pausenhof genutzt werden konnte.
Auch das Dach der Philipp Müller Schule musste vom Schnee befreit werden, damit der Pausenhof genutzt werden konnte.

 

Außerdem ging ein Hilferuf des Bürgermeisters aus Bad Lauchstädt bei mir ein. Das Dach des Goethe-Theaters war kurz davor unter den Schneemassen einzubrechen. So leisteten unsere Kameraden mit der Drehleiter auch in der Goethestadt Unterstützung und haben damit vielleicht dafür gesorgt, dass die langjährigen Sanierungsarbeiten an diesem historischen Gebäude nicht umsonst waren.
 

Die technische Hilfeleistung der Feuerwehr beschränkte sich nicht nur auf das Querfurter Stadtgebiet. Ein Teil des Daches des Goethe-Theaters in Bad Lauchstädt drohte wegen der Schneelast einzustürzen. Unsere Kameraden konnten es verhindern.
Die technische Hilfeleistung der Feuerwehr beschränkte sich nicht nur auf das Querfurter Stadtgebiet. Ein Teil des Daches des Goethe-Theaters in Bad Lauchstädt drohte wegen der Schneelast einzustürzen. Unsere Kameraden konnten es verhindern.

 

Es gab aber auch diese Einsätze, die kinotauglich waren. In den frühen Morgenstunden des 08.02.2021 wurde der Rettungsdienst nach Lodersleben gerufen. Die Wehen einer jungen Frau hatten eingesetzt und die Fruchtblase war geplatzt. Die Geburt stand kurz bevor. Auf dem Weg zur werdenden Mutter kam der Rettungswagen nicht durch eine Schneewehe. Die Kameraden holten die junge Frau von zu Hause ab und brachten sie zum Rettungswagen, den sie bis zur Autobahn eskortierten. So konnte der kleine Erik aus Lodersleben im halleschen Krankenhaus das Licht der Welt erblicken.


Also an dieser Stelle vielen Dank an alle Kameradinnen und Kameraden unserer Freiwilligen Feuerwehren. Ihr habt wieder einmal gezeigt, dass wie immer auf Euch Verlass ist. Wir alle können froh sein, dass es Menschen wie Euch gibt, die nicht nur reden, wie etwas sein muss oder auch nicht geht oder was man machen könnte, sondern einfach nur für unser aller Gemeinwohl anpacken - Klasse und nochmals vielen Dank!


Aber auch meinen Kollegen vom Querfurter Bauhof und vom Abwasserbetrieb gilt unser Dank, genauso wie auch den Jungs von der Kreisstraßenmeisterei. Ihr alle habt in dieser außerordentlichen Situation, die so noch niemand von uns erlebt hat, bis an die Grenzen der körperlichen Belastung gegen den Schnee und die Glätte gekämpft. Ihr habt mit überwältigender Einsatzbereitschaft geglänzt, nicht auf die Uhr geschaut, wann Feierabend ist und habt den Kampf letztlich für uns alle entscheiden können. Ihr habt einfach nur einen super Job abgeliefert!


Nicht vergessen möchte ich unsere Ortsbürgermeister, die mich bei der Koordinierung der Lage vor Ort unterstützt haben. Ihr habt Euch wieder über Euer eigentliches Ehrenamt hinaus eingebracht. Auf Euch ist Verlass!

 

Mein Dank geht aber auch an alle, die selber Initiative gezeigt, den Schneeschieber in die Hand genommen und nicht nur vor der eigenen Haustür geschoben haben. Z.T. wurde auch eigene Technik mit einbezogen oder besorgt. Dieses bürgerschaftliche Engagement, dieses „Wir sind Querfurt“, das uns als Querfurter in besonderem Maße auszeichnet, war in dieser Situation wieder besonders stark zu spüren und hat wirklich geholfen!

 

Noch am Montagabend beräumten die Anwohner, so wie andernorts auch, in Eigeninitiative die August-Bebel-Straße und Teile des Burgrings vom Schnee.
Noch am Montagabend beräumten die Anwohner, so wie andernorts auch, in Eigeninitiative die August-Bebel-Straße und Teile des Burgrings vom Schnee.

 

Vor allem kam das „Wir sind Querfurt“ durch unsere Unternehmer zum Ausdruck. Viele, die ich angerufen habe, haben sofort und unkompliziert Unterstützung zugesagt. Viele haben auch von sich aus Hilfe angeboten. Der Satz: „Wenn Ihr uns noch braucht, ruft einfach an, wir helfen.“ oder: „Wenn es bei uns brennt, kommt auch die Feuerwehr“. Wir hatten wahrlich einen Flächenbrand in Form des vielen Schnees.

 

Nicht nur auf den öffentlichen Flächen wurde unterstützt. Gerade auch auf den Parkplätzen unserer Einkaufmärkte wurde der Schnee beräumt, damit der Geschäftsbetrieb wieder anlaufen konnte. Diese unkomplizierte z.T. selbstlose Unterstützung zu erfahren, macht Mut und auch stolz. Unsere Unternehmer stehen hinter ihrer Stadt.

 

Ich möchte daher recht herzlich Danke sagen an:
Agrargenossenschaft Querfurt e.G.
Agrargenossenschaft Weißenschirmbach e.G.
Agrardienste Rohlfing Liederstädt GmbH
Baumaschinenvermietung Gewerbehof Hempel
Baumaschinenvermietung und Service Gottschalk & Karl GbR
H. Harm & K. Barthels GbR Landwirtschaftsbetrieb
Hoch & Tief Konetzny

Jürgen Seiffert, Landgrafroda

Justus Rohlfing GbR
lasse beton GmbH Querfurt

Landwirtschaftsbetrieb Heinrich Schmiedehausen

Martin Speitel Baulogistik & Transport
MIDEWA GmbH
Obsthof Müller
Querfurter Bauhütte
RK Agrarbetrieb Liederstädt UG
rahr Garten- und Landschaftsbau
Rick Heinze, Querfurt
Robert Zirngibl Transporte Agrarhandel Dienstleistungen
TEHA Querfurt
Weidlich & Partner Agrar GbR
Vollmar Frachtvermittlung & Logistik GmbH


Der Wintereinbruch des Jahres 2021 wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. Ein solch extremes Wetterereignis kommt sehr selten vor. Ich bin der der Meinung wir haben es sehr gut gemeistert!

 

Ich möchte daher nochmal allen, auch im Namen der Ortsbürgermeister, danken, die mitgeholfen haben. Ganz egal, ob sie hier erwähnt sind oder nicht. Wir haben diesen Wintereinbruch gemeinsam als Stadt bewältigt und darauf können wir alle stolz sein.

 

Ihr
Andreas Nette
Bürgermeister

 

 

 

 

Bild zur Meldung: Alpine Verhältnisse sorgten in der zweiten Februarwoche für massive Behinderungen

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