Gute Freunde trafen sich… Deutsch-Polnische Woche in Querfurt
Vom 27. Juli bis 3. August trafen sich Jugendliche aus Querfurt und der polnischen Partnerstadt Giżycko. Da es sich bereits um das dritte Jugendcamp in dieser Zusammensetzung handelte, lautete das Motto „Fortsetzung folgt… Gute Freunde treffen sich“.
Im Jahr 2018 hatte der damalige Brunnenherr Thomas Pfrieme es sich zur Aufgabe gemacht, die Städtepartnerschaften wieder mit Leben zu füllen und vor allem unter den jungen Menschen wieder Interesse für die Partnerstädte zu wecken.
Die Idee: junge Menschen unserer Partnerstädte mit jungen Menschen aus Querfurt zusammenzubringen. Im Rahmen des 24-Stunden-Schwimmens im Querfurter Stadtbad im Jahr 2019 kamen dann tatsächlich zum ersten Mal an einem Wochenende einige junge Menschen der Schwimmvereine aus Karlstadt, Giżycko und Querfurt zusammen. Allerdings stellte sich schnell heraus, dass ein Wochenende zu kurz ist, um sich wirklich kennenzulernen. So wurde die Idee eines Jugendcamps geboren. Leider waren die finanziellen Hürden für die Stadt Querfurt, die sich zu dieser Zeit in Haushaltskonsolidierung befand, zu groß, um das Camp aus eigenen Mitteln durchzuführen. So bewarben sich Bürgermeister und Vorsitzender der Thaldorfer Pfingstburschen, Andreas Nette, Stadtrat und Leiter des Stadtbades, Olaf Tobisch, und der ehemalige Brunnenherr Thomas Pfrieme im Frühling 2020 auf den Aufruf des Bundesbeauftragten für die neuen Länder, damals Marco Wanderwitz, beim Wettbewerb Machen! 2020. Unter dem Titel „Von Ost – von West – von Querfurt – uns verbindet mehr als die Geschichte“ reichten sie die Idee ein und wurden dafür mit dem ersten Platz und einem Preisgeld von 15.000 € ausgezeichnet.
Leider machte Corona den Plänen für die Durchführung der Idee im Sommer 2021 einen Strich durch die Rechnung. Doch im darauffolgenden Jahr konnte das Projekt endlich mit großem Erfolg durchgeführt werden. Neben dem Preisgeld konnte die Stadt Querfurt auch Fördermittel des Deutsch-Polnische Jugendwerks (DPJW) in Anspruch nehmen. Im Sommer 2023 folgte dann für die Querfurter Jugendlichen die Gegeneinladung nach Giżycko, die ebenfalls nur durch die finanzielle Unterstützung des DPJW, aber auch des Landes Sachsen-Anhalt (Staatskanzlei und Ministerium für Kultur) durchgeführt werden konnte. Das Treffen in Giżycko endete mit dem Versprechen, dass man sich im Jahr drauf, also 2024, wieder in Querfurt treffen wollte. Das Camp für 2024 wurde auch geplant, doch leider erreichte die Organisatoren in der Stadt Querfurt im Frühling 2024 die Nachricht, dass die Fördermittel des DPJW massiv eingekürzt wurden. Daraufhin musste in Abstimmung mit der Stadt Giżycko, die ebenfalls auf diese Fördermittel angewiesen ist, das Jugendcamp 2024 schweren Herzens abgesagt werden.
In diesem Jahr aber konnte das Treffen endlich wieder stattfinden und so empfingen am Sonntagabend (27. Juli) 13 Querfurter Jugendliche, die Organisatoren und Betreuer einen Bus mit 14 jungen Menschen sowie zwei Betreuern aus Giżycko. Nach einem gemeinsamen Abendessen wurden die 27 Jugendlichen im Alter zwischen 12 und 17 Jahren in drei verschiedene Gruppen gelost. Die Gruppenmitglieder erhielten entsprechend Ihrer Gruppe (rot, orange und blau) ein Armband, das sie als Teilnehmer des Jugendcamps auszeichnete und z.B. den freien Eintritt ins Stadtbad oder das Essen an verschiedenen Stationen ermöglichte. Jede der drei Gruppen war schließlich mit neun Personen besetzt, die je zur Hälfte aus Deutschland und Polen stammten.
Nach dem ersten Kennenlernen und einer Nacht in der Turnhalle der Philipp-Müller-Grundschule, die durch den Sachbereich Brand- und Katastrophenschutz mit Unterstützung der Feuerwehr mit Notbetten und Stellwänden hergerichtet worden war, ging es am Montagmorgen zunächst zu einem Stadtrundgang. Hierbei wurde kein professioneller Stadtführer beauftragt, sondern die deutschen Jugendlichen zeigten anhand des digitalen Stadtrundgangs den Gästen ihre Heimatstadt. Unter anderem wurde auch das Rathaus von außen und innen besichtigt. Hier ließ es sich der Bürgermeister natürlich nicht nehmen, jede einzelne Gruppe persönlich in seinem Büro und im Festsaal zu begrüßen.
Nach einer Stärkung unter Mittag wartete bereits um 13:00 Uhr Burgfräulein Mathilda auf die jungen Besucher und führte sie über die Burg. In sehr gutem Englisch erzählte Mathilda so manches Geheimnis und lies die Jugendlichen auch die Gewölbe und die Ausstellung auf der Burg sehen. In diesem Zusammenhang sei ein großes Dankeschön an den Landkreis Saalekreis ausgesprochen, der das Jugendcamp nicht nur mit einem Zuschuss zur Projektförderung im Bereich der Internationalen Jugendbegegnung förderte, sondern auch die Führung über die Burg und den Eintritt ins Museum kostenfrei für die Teilnehmer des Jugendcamps ermöglichte.
Dass die Besichtigungspunkte über den Tag nicht einfach nur dem Zeitvertreib dienten, merkten die Jugendlichen am Abend. Eine Tradition, die schon im ersten Jugendcamp 2022 eingeführt wurde, ließen die Organisatoren wiederaufleben. An jedem Abend mussten die Gruppen ein Quiz ausfüllen. Zwischen sechs und zehn Fragen waren an den verschiedenen Tagen zu beantworten. Für richtige Antworten gab es Punkte, wie auch bei verschiedenen Sportwettkämpfen. Die Gruppe mit den meisten Punkten am Ende der Woche sollte dann der Gewinner sein. Auf diese Weise wurde der Zusammenhalt innerhalb der Gruppe binnen kürzester Zeit gestärkt, denn jede Gruppe wollte gerne die Beste sein.
Am Dienstag stand eine Kanutour auf dem Programm. Begleitet von mehreren Betreuern holte ein Bus der PNVG die Jugendlichen am Morgen von der Grundschule ab und brachte sie nach Wendelstein, wo sie zunächst eine Sicherheits- und Technikunterweisung bekamen. Dann ging es los in Richtung Karsdorf, wo die Truppe am Nachmittag nach knapp zwanzig Kilometern und vierstündigem Paddeln, vor allem aber mit vielen tollen Eindrücken ankam.
Nach der körperlichen Anstrengung des Tages durften sich die Teilnehmer nach dem Abendbrot auf einen gemütlichen Kinoabend freuen. Ausgesucht wurde ein polnischer Film mit deutschen Untertiteln. Eine von vielen Möglichkeiten, die Sprachbarrieren zu brechen.
Der Mittwoch stand ganz im Zeichen sportlicher Wettkämpfe. Zunächst besuchten die Jugendlichen das Stadtbad, wo Schwimmmeister und Mitorganisator Olaf Tobisch zusammen mit seinem Stadtbad-Team bereits einige Aufgaben für die Gruppen vorbereitet hatte. Auch hier galt wieder, die Gruppe, die den Wettkampf gewinnt, erhält die meisten Punkte. Am Nachmittag hatten die Teilnehmer dann ein wenig Freizeit bevor sie am Abend einer Einladung der Thaldorfer Pfingstburschen folgten. Hier erfuhren sie zunächst, was der Heilige Brun mit Querfurt, der Städtepartnerschaft und den Pfingstburschen zu tun hat. Der Vorsitzende der Pfingstburschen, Bürgermeister Andreas Nette, hatte gemeinsam mit seinen Vereinsmitgliedern aber nicht nur trockene Kost für die Jugendlichen vorbereitet. Beim Tauziehen, Torwandschießen und Geschicklichkeitsspielen konnten die Gruppen auch hier wieder Punkte gewinnen. Anschließend wurde sich beim Abendessen gestärkt. Ein besonderes Highlight für die Teilnehmer war der Knüppelkuchen. Beim Sitzen rund um die Feuerschale wurde dann der Tag ausgewertet.
Donnerstagmorgen hieß es für alle früh aufstehen. Bereits kurz nach acht Uhr stand ein Bus der PNVG bereit, um die Camp-Teilnehmer und ihre Betreuer nach Leipzig zu fahren. Der erste Stopp war am Völkerschlachtdenkmal. Zum ersten Mal seit Tagen wurden die Gruppen hier getrennt. Die Führung durch das Völkerschlachtdenkmal erfolgte tatsächlich nach Sprachen getrennt. Leider konnte keine polnische Führung angeboten werden, so wurden die Gäste aus Giżycko auf Englisch durch die beeindruckenden Hallen geführt. Die deutschen Teilnehmer erhielten neben der eigentlichen Führung auch einen Einblick in die polnische Geschichte. Die Führerin ging mit ihnen der Frage nach, welche Auswirkungen die Napoleonischen Kriege und die Völkerschlacht auf Polen hatten. Insgesamt war das Thema Krieg an diesem Tag in den Gesprächen untereinander präsent, auch wenn der Ausflug in den Vergnügungspark Belantis, der auf das Völkerschlachtdenkmal folgte, diese Gedanken und Gespräche zunächst verdrängte. Der Spaß in Belantis auf der Achterbahn, der Wildwasserbahn und bei anderen Attraktionen war groß, dennoch merkte man am Abend in den Gesprächen, dass die Führung im Völkerschlachtdenkmal ihre Spuren hinterlassen hatte.
Der darauffolgende Tag läutete schon langsam das Ende des Camps ein. Am Morgen stand zunächst ein Volleyballturnier im Stadtbad auf dem Plan, das von den Volleyballern des TSV´90 e.V. organisatorisch unterstützt wurde. Den Anpfiff aber übernahm Mathilde Lemesle, eine Mitarbeiterin der Staatskanzlei und Ministerium für Kultur des Landes Sachsen-Anhalt, die extra aus Magdeburg angereist war. Das Land Sachsen-Anhalt unterstützte das Jugendcamp mit 3.000 € und ist sehr an dem internationalen Jugendaustausch interessiert. An dieser Stelle möchten sich die Organisatoren nochmals herzlich bei der Staatskanzlei und Ministerium für Kultur für diese Förderung bedanken. Ohne die finanziellen Zuschüsse des Deutsch-Polnischen Jugendwerks, des Landes Sachsen-Anhalt und des Landkreises Saalekreis, die insgesamt über 10.000 € ergeben, könnte das Jugendcamp nicht durchgeführt werden. Die Stadt Querfurt, alle am Camp Beteiligten und vor allem die Teilnehmer sind sich dieser Tatsache bewusst. Ganz nach dem Motto „Tu Gutes und rede drüber“, bereiteten die Jugendlichen dann auch am Freitagnachmittag und Samstagvormittag eine Präsentation ihres Camps vor. Für den Samstagnachmittag hatten die Teilnehmer und Organisatoren die Öffentlichkeit zu einem Kuchenbasar ins Stadtbad geladen. Dank vieler fleißiger Kuchenbäcker konnten die Jugendlichen am Samstag nicht nur ihre gemeinsame Woche präsentieren, sondern auch jede Menge Kaffee und Kuchen an die vielen Interessierten, die gekommen waren, abgeben.
Am Freitagabend fand für die Teilnehmer des Jugendcamps, die Betreuer und Unterstützer sowie für Jugendliche aus Querfurt, die bereits an den letzten Camps teilgenommen hatten, eine kleine Feier mit Disko und Nachtbaden statt. Bis spät am Abend wurde gefeiert, getanzt und gebadet. Den Spaß, den die Teilnehmer miteinander hatten, konnte man ihnen ansehen. Da brauchte es keine Worte.
Bevor es am Samstagabend vom Stadtbad in die Unterkunft ging, hatte sich die Querfurter Feuerwehr auf Initiative des Bürgermeisters Andreas Nette noch eine Überraschung für die Jugendlichen ausgedacht. Einmal Querfurt von oben sehen und dann mit den Einsatzwagen bis zur Unterkunft gebracht werden. Das war ganz nach dem Geschmack der Teilnehmer und auch die beiden polnischen Betreuer, Wojciech Caban und Anna Sitkowska, waren begeistert.
Beim gemütlichen Ausklang am Abend ließen es sich die Organisatoren nicht nehmen, eine offizielle Auswertung der Woche zu machen. Vor allem auf die Auswertung der Punkte für die verschiedenen Gruppen waren die Jugendlichen gespannt. Die orangene Gruppe gewann vor der roten und der blauen Gruppe. Letztendlich unterschieden sich die Preise aber nur die Teilnehmerurkunden in Gold, Silber und Bronze. Für jeden Teilnehmer gab es außerdem eine mit Süßigkeiten gefüllte Tasse mit dem Logo der Deutsch-Polnischen Woche und dem Satz „Schön, dass du dabei warst!“ in Deutsch und Polnisch. Auch für die beiden polnischen Betreuer gab es ein kleines Geschenk in Form einer Flasche Querfurter Weins. Als eine sehr schöne Geste empfanden die deutschen Teilnehmer die völlig unerwarteten Geschenke ihrer polnischen Gäste. Jeder polnische Teilnehmer hatte ein persönliches kleines Geschenk für einen der deutschen Teilnehmer aus Giżycko mitgebracht. So zeigte sich, dass die jungen Leute innerhalb der Woche, trotz des teilweise erheblichen Altersunterschieds, doch zusammengewachsen waren.
Dementsprechend gab es beim Abschied am Sonntagmorgen etliche Tränen. Während die Musikanlage „Time to say goodbye“ von Andrea Bocelli spielte, verabschiedeten sich die polnischen Jugendlichen und ihre Betreuer und rollten mit dem Kleinbus, der am Vortag wieder aus Giżycko gekommen war, vom Hof der Grundschule Philipp-Müller.
Wir bedanken uns herzlich bei allen genannten und nicht genannten Helfern und Unterstützern des Jugendcamps!
Die Fotos der ereignisreichen Woche können Sie im Fotoalbum ansehen.

















































